Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes

Vor ein paar Wochen haben Clara und ich unsere Bücher-Wunschzettel ausgetauscht und gemerkt, dass wir ein paar Gemeinsamkeiten auf diesen haben, u. a. „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes.
Kurzerhand haben wir also beschlossen das Buch gemeinsam zu kaufen, gemeinsam zu lesen und uns gemeinsam darüber auszutauschen. Das hat leider so mehr oder weniger gut geklappt… Aber dazu später mehr.

Klappentext

Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt.
Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will.
Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Frau und ein Mann.

Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen.
Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

Auf das Buch bin ich vor einiger Zeit beim Stöbern auf Amazon gestoßen. Beim Überfliegen des Titels einmal kurz inne halten und noch mal durchlesen: Halt mal, ein ganzes halbes Jahr? Ein ganzes Jahr aber nur ein halbes? Ein halbes Jahr aber doch ein ganzes? Widerspruch! Zack, Aufmerksamkeit erregt. Klappentext lesen, aha, sieht aus wie eine zuckersüße Liebesgeschichte: Frau und Mann treffen sich, mögen sich, mögen sich doch nicht, mögen sich aber irgendwie doch, Drama Drama Drama, am Ende ein Happy End, ich ganz durch den Wind mit viel Pipi in den Augen – das Übliche eben. Okay, voll mein Ding sowas, ab auf den Wunschzettel damit!

So einfach war das dann aber doch nicht. Der Klappentext lässt überhaupt nicht auf das sehr ernste Thema schließen, das in dem Buch behandelt wird. Auch das Cover verrät nichts darüber. Völlig überraschend wird man damit konfrontiert. Unvorbereitet, so dass einem das Herz kurz stehen bleibt.

Im Prinzip passiert nichts super aufregendes, die Handlung verläuft ruhig und gediegen. Man lernt Lou, Will, deren Alltag und Umwelt kennen und erfährt wie sich die beiden unter besonderen Umständen kennen und lieben lernen. Es geht um das Leben, darum wie sehr ein Mensch das Leben eines anderen Menschen verändern kann. Es geht um Ängste, Hoffnungen, Träume, Vergänglichkeit und Ziele.
Es ist nicht die typische 08/15-Liebesgeschichte, von der ich anfangs ausgegangen bin. Viel Pipi in den Augen gab es aber trotzdem, nebst ein paar kleinen Schmunzlern zwischendurch.

Ein ganzes halbes Jahr regt zum Nachdenken an und nachdem ich es längst zugeklappt hatte, war ich mit meinen Gedanken immer noch in dem Buch, so sehr hat es mich bewegt.

Ein tolles Buch, das sich einfach und flüssig lesen lässt und einen so mitreißt, dass man es einfach verschlingen muss! Eigentlich wollten Clara und ich immer eine bestimmte Anzahl an Kapiteln lesen, uns darüber austauschen, wieder ein paar Kapitel lesen usw. Das hat leider nur bei den ersten paar Kapiteln geklappt, danach konnten wir einfach nicht mehr mit dem Lesen aufhören und so kam es, dass entweder ich oder sie immer weiter vorgearbeitet haben und wir im Laufe der Zeit eigentlich kaum noch darüber gesprochen haben, weil wir immer an unterschiedlichen Stellen waren.
Witzigerweise haben wir es am Ende aber doch auf die Minute genau zeitgleich beendet. Auf die Minute genau, woher man das weiß? Sofortige Berichterstattung per SMS („Ich habe es gerade durchgelesen!“) mit sofortiger Antwort („Ich auch!“) 😀

Damit wir uns nun doch (ein wenig spielerisch) darüber austauschen, haben wir uns für den anderen jeweils fünf Fragen zum Buch ausgedacht. Folgende Fragen durfte ich beantworten:

1. Was hast du gedacht, gefühlt, erwartet als du die ersten Zeilen des 1. Kapitels gelesen hast?
Die ersten Zeilen haben mich ehrlich gesagt nicht direkt angesprochen, anfangs bin ich sogar öfter mit den Gedanken abgeschweift weil mir das etwas zu sehr belangloses Geschwafel war. Kurzzeitig habe ich gedacht „Ohje, hoffentlich geht das jetzt nicht die ganze Zeit so“. Aber nach ungefähr ein bis zwei Absätzen hat sich das gelegt, sodass ich gerne weitergelesen habe.

2. Wie fandest du die Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren und deren Entwicklung?
Die beiden könnten nicht gegensätzlicher sein. Anfangs ecken die beiden ganz schön aneinander, weil Will unglaublich anstrengend, missmutig, verbittert und stur ist. Louisa ist das genaue Gegenteil, sie ist optimistisch und irgendwie einfach eine gute Seele. Auch wenn Will auf gut Deutsch ein richtiges Arschloch ist, lässt sie sich nicht so leicht entmutigen und gibt trotzdem ihr Bestes in dieser ganz besonderen Situation.
Später kommt Will jedoch aus seinem Schneckenhaus heraus und die beiden haben eine tolle Zeit (so toll wie es eben geht unter den gegebenen Umständen).
Obwohl sie sich erst ein paar Wochen kennen, wirken sie so vertraut wie manche nach sieben Jahren noch nicht. Es sind Kleinigkeiten, die doch viel bedeuten, die die beiden so verbindet.
Mir gefällt besonders, wie sie sich mit ihrer Art unbewusst gegenseitig positiv beeinflussen und den anderen damit zum positiven verändern, ja gar zu einem ganz neuen Menschen machen.

3. Welches ist dein Lieblingszitat aus dem Buch und warum ist dir genau diese Stelle im Gedächtnis geblieben?
Hier musste ich echt überlegen. Die Romantikerin in mir ist natürlich bei folgenden Zeilen nur so dahingeschmolzen:

Ich glaube, wir können alles Mögliche tun. Ich weiß, dass das keine von den üblichen Liebesgeschichten ist. Ich weiß, dass es unheimlich viele Gründe gibt, aus denen ich nicht einmal sagen sollte, was ich sage. Aber ich liebe dich. Wirklich. Ich wusste es, als ich Patrick verlassen habe. Und ich glaube, dass du mich auch ein bisschen liebst.

aber letztendlich hat mich

Fuck you, Will Traynor. Fuck you.

ein kleines bisschen mehr beeindruckt, das spricht Louisa übrigens einen Atemzug später als das erstgenannte Zitat aus. Allein schon weil das so einen starken Kontrast zu vorher gesagtem darstellt, vor allem aber auch weil diese Worte eher untypisch für sie sind. Vorher war sie ziemlich ruhig und hat alles mehr oder weniger einfach hingenommen aber in diesem Moment kommt sie endlich mal aus sich heraus und sagt endlich mal so richtig ihre Meinung.

4. Welches Gefühl hat das Buch bei dir hinterlassen, als du es beendet hast?
Das Buch hat mich zutiefst traurig gestimmt, außerdem sehr nachdenklich. Ich habe versucht nachzuempfinden, was geschehen ist und wie ich in der Situation von den Standpunkten der Charaktere aus gehandelt hätte – oder ob es in so einem Fall ein Richtig oder Falsch gegeben hätte. Auch einige Zeit später musste ich noch vereinzelnd daran denken, weil mich die ganze Thematik irgendwie nicht mehr losgelassen hat.

5. Gab es etwas, das du richtig blöd oder dämlich an dem Buch fandest?
Erstens war natürlich das Ende blöd, das hätte ich mir nämlich anders gewünscht. Und so richtig seltsam fand ich, dass die Charaktere sich sehr lange gesiezt haben, selbst als sie sich schon näher standen. Und später wird hier und da mal zwischen duzen und siezen geswitched, was ich ein wenig inkonsistent finde.

Welche Fragen ich Clara gestellt habe, kann hier nachgelesen werden.

Das war eine tolle Aktion, denn manchmal fesselt einen ein Buch so sehr, dass man das Gefühl hat, der Kopf platzt gleich. Daher fand ich es schön mich (zumindest am Ende) mit Clara auszutauschen, mich aufzuregen, mich auszuheulen – ziemlich erleichternd!
Ich hoffe und freue mich jedenfalls schon auf das nächste Mal, unsere Wunschzettel hatten nämlich nicht nur dieses Buch gemeinsam 🙂


Quelle: Rowohlt Verlag

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  1. Pingback: Lesen und nicht lesen + Bücher, die ich 2015 gelesen habe – DANYPIZZA

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