Mein Kommunikationsdesign-Studium

Ich habe nun eines von sieben Semestern meines Kommunikationsdesign-Studiums hinter mich gebracht und werde öfter mal gefragt wie es läuft, ob es Spaß macht, was man da eigentlich genau macht, und und und. Daher werde ich ab und zu mal ein paar Worte dazu sagen und auch hier und da mal etwas aus dem Studium zeigen – und heute mache ich mal den Anfang.

Die Entscheidung, meinen Vollzeitjob als Webdesignerin und den damit verbundenen Lebensstandard aufzugeben, war die beste Entscheidung, die ich 2015 getroffen habe. Wenn man seine Ausbildung beendet und erstmal richtig Geld verdient, gewöhnt man sich schnell daran, dass man sich nun so viel leisten kann und nicht mehr so sehr auf seine Ausgaben achten muss. Ich hatte die Befürchtung, dass ich mich während des Studiums finanziell stark einschränken müsste und mir überhaupt nichts mehr leisten könnte. Dem ist seltsamerweise überhaupt nicht der Fall: jetzt als Studentin habe ich etwa 500 Euro im Monat weniger und komme bestens damit aus – ich muss nicht von Fertiggerichten leben, sondern kann mir auch weiterhin (für mich wichtige) etwas kostspieligere Lebensmittel leisten.
Was die Miete unserer gemeinsamen Wohnung betrifft, hatten wir mal in Erwägung gezogen, dass wir nicht 50/50 aufteilen, sondern 40/60 o. Ä. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass das überhaupt nicht nötig ist.
Und selbst für andere Spielereien wie hier und da mal neue Bücher, Backutensilien und sonstige Ausgaben für’s Seelenwohl bleibt am Ende noch genug über.
Ich komme also bestens mit weniger Geld zurecht und frage mich damit viel mehr, wie ich es vorher geschafft habe vorher immer so viel (unnötig) zu verpulvern – denn mein Kontostand war jeden Monat stark im Minus. Aber naja, das ist eine andere Geschichte…

Oft kam auch schon die Frage, warum ich denn jetzt noch ein Studium an die Ausbildung zur Mediengestalterin hänge, das wäre doch das selbe in Grün. Dies kann ich nur vehement bestreiten, das Kommunikationsdesign-Studium ist nicht mit der Mediengestalter-Ausbildung zu vergleichen und meiner Meinung kann das eine auch nicht das andere ersetzen, die Aussage „Du hättest doch direkt studieren können, jetzt dauert alles viel länger wenn du Ausbildung und Studium machst“ ist also irgendwie nicht ganz korrekt.
Die Ausbildung hat Spaß gemacht und ist jetzt im Studium nützlich für mich, denn praktische und theoretische Grundlagen kenne ich bereits und bin freier, insofern dass ich mich z. B. nicht damit herumschlagen muss wie gewisse Programme funktionieren.
Am Studium gefällt mir besonders gut, dass wir ganz anders an die Sache herangehen. Als Mediengestalterin habe ich das Technische gelernt, ebenso wie ich mit meinem Werkzeug umgehe und war dann aber auch eher der Handlanger – derjenige, der ausführt und umsetzt was sich jemand anders ausgedacht hat. Klar darf man im Beruf des Mediengestalters auch mal kreativ sein, oft kommt das aber viel zu kurz. Im Studium arbeiten wir darauf hin, selbst die Ideenmacher von morgen zu werden und uns Dinge auszudenken, die eine Botschaft haben und diese bestens zu kommunizieren – daher der Begriff Kommunikationsdesign.
Ebenfalls gefällt mir die Vielfalt in meinem Studium, denn erstmal müssen wir einmal Kurse in allen Bereichen belegen und zu einem späteren Zeitpunkt schauen wir wo unsere Stärken liegen und spezialisieren uns dann für den Rest des Studiums darauf. Die Vielfalt kommt mir sehr gelegen, denn gerade in der letzten Zeit vor dem Studium habe ich gemerkt, dass ich mir nicht vorstellen kann bis an mein Lebensende nur noch im Webdesign tätig zu sein.

Im ersten Semester habe ich folgende Kurse belegt:

  • Grundlagenprojekt (Animation, Werbung, Editorial Design)
  • Farbe/Form/Komposition (Farben- und Formenlehre, Gestaltung)
  • Zeichnerische Grundlagen
  • Typografie/Layout
  • DTP/EP (Software der Adobe Creative Cloud, z. B. Photoshop, Illustrator, InDesign)
  • AV/Foto (Film- und Fotografie-Grundlagen)
  • Interaction/Interface (Prototyping, klitzekleines bisschen Noob-Programmieren)
  • Designgeschichte
  • Bezugswissenschaften (Textanalyse)

Das Kommunikationsdesign-Studium ist sehr praxisorientiert, in den meisten Kursen haben wir hinterher auch tatsächlich etwas geschaffen. Lediglich bei Designgeschichte und Bezugswissenschaften handelt es sich um theoretische, teils sehr trockene Fächer, in denen ich zugegeben leider auch ab und zu mal eingedöst oder mit den Gedanken abgedriftet bin. Die beiden Kurse sind auch die einzigen, in denen wir am Ende etwas Schriftliches in Form von Klausur oder Hausarbeit abgeben müssen, während wir in den praxisorientierten Kursen unsere gestalteten Projekte abgeben.

Am meisten hat mir Editorial Design, also das Gestalten von Zeitschriften zugesagt, mit Interaction/Interface konnte ich gar nichts anfangen. Auch war es interessant, mal jemandem zuzuhören, der einem etwas zu den Grundlagen der Fotografie erzählt: zwar kannte ich die Theorie auch vorher schon, doch meistens war es dann so, dass ich eher herumprobiert und intuitiv gehandelt habe.
Designgeschichte war zwar die meiste Zeit sehr trocken, doch da es zeitweise auch um die Geschichte von bekannten Möbeln (und somit in Richtung Interior Design <3) ging, war es schlussendlich doch ab und zu mal spannend.
Auch das Zeichnen hat zwar Spaß gemacht und wahrscheinlich konnte ich mich auch ein ganz ganz ganz kleines bisschen (in etwa 1/4 Mü) verbessern aber die große Illustratorin werde ich in diesem Leben sicher nicht mehr.

Am Ende eines Semesters gibt es immer eine Werkschau, dort werden alle Semesterarbeiten des Fachbereichs Gestaltung (Kommunikations- und Produktdesign) augestellt, wo Interessierte (Bewerber, Familie, Freunde) mal einen Blick auf die Arbeiten der Studiengänge werfen können.
Die Semesterausstellung des aktuellen Semesters fand vor einer Woche statt und es war interessant, mal zu sehen was die anderen Studenten so treiben. Bei den Arbeiten aus dem ersten Semester waren interessante und schöne Sachen dabei, doch die richtig geilen Projekte gab es erst aus dem 3. Semester und aufwärts – dagegen sahen unsere Arbeiten wie Kindergarten aus 😀
Besonders toll fand ich die Arbeiten von den älteren Semestern aus dem Produktdesign-Studiengang, denn während die Kommunikationsdesigner ihre Arbeiten nur ausdrucken und aufhängen oder irgendwo hinlegen, bauen die Produktdesigner u. a. einfach mal total geile Tische, die gut aussehen und funktionell sind. Ich kann leider gar nicht beschreiben wie unglaublich cool das war, das muss man einfach gesehen haben!

Und jetzt genieße ich erstmal meine Semesterferien bevor es ins zweite Semester geht. Aber so richtig freue ich mich dann erst auf das dritte Semester, denn ab da (nachdem man Grundlagen und Theorie hinter sich gelassen hat) soll das Studium erst wirklich spaßig werden.

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