Kyoto: Schlafen wie ein Japaner, Kamo-Schrein, Kobe-Rindfleisch, Deutsches zwischendurch und das beste Donburi der Welt

Mit einem Shinkansen, den Hochgeschwindigkeitszügen Japans, ging es für ein paar Tage nach Kyoto. Zwischen Tokyo und Kyoto liegen etwa 500 Kilometer, die man mit einem Shinkansen in zweieinhalb Stunden zurücklegt da dieser durchgängig 300 km/h fährt.

Wie ich ja letztes Mal bereits erzählte, musste ich mich jeden Morgen erstmal mit Onigiri zudecken – an dem Tag sollte es nicht anders sein. Mit dabei waren diesmal auch superleckere Erbsenchips (wer in nächster Zeit nach Japan fliegt, sollte mir unbedingt eine, zwei oder 50 Tüten mitbringen :)) und kleine Oreo Kekse mit Matcha-Füllung.

 

In Kyoto habe ich im Bezirk Kita-ku etwas außerhalb, ruhiger und weiter weg vom Stadtgeschehen gewohnt. Mit dem Bus ist man vom Hauptbahnhof Kyoto ca. 40 Minuten bis Kita-ku unterwegs. Dort hatte ich über Airbnb ein kleines Appartement direkt am Kamo, einem 31 Kilometer langen durch Kyoto fließenden Fluss.
Das Appartement war sehr klein und minimalistisch, typisch japanisch, eingerichtet. Während ich in Tokyo in einem ganz normalen Bett geschlafen habe, dachte ich mir dass ich ja auch mal auf japanische Art nächtigen könnte wenn ich schonmal in Japan bin: der Boden des Zimmers war mit Tatami, also Matten aus Reisstroh, ausgelegt.
Tagsüber war das Zimmer ein Wohnzimmer und abends wurde ein Futon (quasi eine rollbare Matratze, die aber so dünn wie eine Bettdecke ist) ausgelegt. So schläft man also traditionell in Japan. Ich habe das Ganze nach zwei Nächten verflucht da man ja quasi auf dem Boden schläft weil der Futon ja nur so dünn wie eine Bettdecke ist. Kann man mal machen (soll ja auch gesund für den Rücken sein) aber ich werde das nicht mehr machen 😀
Der Gastgeber war toll: er hat mich mit dem Auto von der Bushaltestelle in Kita-ku abgeholt, mir besondere Ecken gezeigt und mir was dazu erzählt.

Auf dem rechten Bild ist übrigens ein Reisfeld zu sehen, das war fast vor meiner Haustür. Irgendwie war ich jedes Mal beim Vorbeilaufen ziemlich fasziniert davon weil es einfach so richtig schön nach Reis gerochen hat wenn man davorstand.

In Kyoto angekommen ging es als erstes zum Kamo-Schrein, der aus den Shinto-Schreinen Kamigamo-jinja und Shimogamo-jinja besteht. Diese Schreine sind zwei der ältesten Schreine Japans.

Irgendwo da war ein kleines Wäldchen mit einer Steintreppe. Oben angekommen wurde man mit einer Aussicht über die Dächer von Kita-ku belohnt.

 

Wieder unten angekommen fing es erstmal an in Strömen zu regnen. Generell hat es in der Zeit, in der ich in Kyoto war, sehr oft sehr stark geregnet – was mich wirklich genervt hat weil ich ständig klatschnass ins Appartement laufen musste.
Nachdem der Regen dann aufgehört hatte, bin ich durch Kita-ku spaziert und habe ein bisschen die Gegend erkundet.

Besonders charmant fand ich die Häuser, die hinter einem kleinen Flüsschen liegen, wo man erst eine kleine Brücke oder einen kleinen Steg überqueren musste um hineinzukommen.

 

Die Japaner haben es ja mit ihren Automaten: überall stehen welche für alles mögliche herum. Am tollsten fand ich diesen Gemüseautomaten, der im etwas ländlicheren Kita-ku herumstand. Der Automat wird von Bauern in der Umgebung mit frischem Gemüse gefüllt und dann kann man sich einfach eben mal ein paar Tomaten oder eine Aubergine kaufen. So kommt man einfach an regionales Gemüse heran, wenn der nächste Supermarkt oder Wochenmarkt etwas weiter weg ist, und an Öffnungszeiten muss man sich auch nicht halten.

 

Ich glaube nach Kyoto wollte ich hauptsächlich weil es in der Umgebung sehr viel Fleisch vom Kobe-Rind gibt und es schon sehr lange mein Wunsch war dieses mal zu probieren. Da war ich also endlich in Japan und der Traum zum Greifen nah: einmal vom teuersten Rindfleisch der Welt probieren – ein Kilogramm kostet etwa 400–600 Euro. Daher nur ein paar kleine Häppchen, ansonsten hätte mich der Spaß wohl in den finanziellen Ruin getrieben.
Was ist das besondere an Kobe-Rindfleisch? Diese Bezeichnung dürfen nur Rinder tragen, die in der Kobe-Region geboren, gefüttert und geschlachtet wurden. Diese Rinder führen ein wunderschönes Leben: sie stehen den ganzen Tag auf der Wiese, werden mit Getreide, Rüben, Kartoffeln und Bier gefüttert, jeden Tag massiert und leben sehr viel länger als andere Rinder bis sie geschlachtet werden. Durch diese besondere Aufzucht wird das Fleisch hinterher sehr saftig und zart.
Kurz: das komplette Gegenteil von der bei uns weit verbreiteten Massentierhaltung – und da ich diese nicht befürworte, gefällt mir das besonders gut. Und das schmeckt man auch.
Wie war das Fleisch denn nun? Ich hatte vorher die Befürchtung, dass ich danach nie wieder anderes Fleisch essen kann weil Kobe-Rind die absolute Offenbarung sein wird. Ja, es hat sehr gut geschmeckt aber anderes gutes Rindfleisch tut es auch. Trotzdem finde ich den Gedanken schön, wie die Rinder vorher gelebt haben.
Zum Menü dazu gab es noch Gemüse Tempura, also in Teig frittiertes Gemüse, Sashimi und einen Salat. Natürlich auch sehr lecker, wie alles in Japan.

Danach ging es noch ins Zentrum von Kyoto, ein bisschen ziellos durch die Gegend laufen und schauen was da so geht.

Ich hatte in meinem ersten Beitrag zu Japan ja erzählt wie ich zwei Polizisten begegnet bin und denen ein bisschen Deutsch beibringen sollte – ich sage es euch, die Japaner stehen einfach auf die deutsche Sprache. Überall auf irgendwelchen Verpackungen oder Schildern findet man einfach irgendwelche deutschen Fetzen, meistens machen diese nicht mal Sinn – hauptsache deutsche Wörter. Hier das beste Beispiel.

 

Zum Abendessen gab es dann Donburi, also eine Schüssel Reis mit Zeug drauf: ein paar Schreiben Thunfischbauch, ein pochiertes Ei, Thunfisch-Tatar und Teriyaki-Mayonnaise haben dieses Donburi zu einem so unglaublich köstlichen Festmahl gemacht, das kann man sich gar nicht vorstellen wenn man es nicht selbst probiert hat. Während ich das hier so schreibe und mich wehmütig daran zurück erinnere, habe ich gerade beschlossen dass ich das definitiv mal zu Hause nachbauen muss <3

Und dann wars auch schon dunkel – ab ins Appartement, gute Nacht!

Nächstes Mal geht es dann mit einem Tagesausflug zu einer der drei schönsten Landschaften Japans weiter.

6 Kommentare

  1. Cool, du hast Kobe-Rind gegessen <3

    Das mit dem Gemüseautomaten finde ich cool, irgendwie….
    Hier in Norddeutschland haben ein paar Bauern auch Schränke an der Straße stehen, wo sie Gemüse reinlegen und man es sich rausnehmen kann, bisschen Geld da lässt und sich freut.

  2. Hach ja, der Shinkansen! Mann, die Japaner haben ein großes Glück mit ihren Zügen. Wahnsinn wie pünktlich und korrekt da alles abläuft. Das würde ich mir auch oftmals hier wünschen, immerhin hab ich hier ständig Probleme mit der deutschen Bahn…
    Kyoto fand ich gerade in den älteren Abschnitten wunderschön! 🙂
    Aber ich habe tatsächlich kein Kobe-Rind gegessen… na ja, ich esse an sich ja eh nicht so gerne Fleisch, daher war das irgendwie klar.

    Da in San Francisco ziemlich oft in Autos eingebrochen wird (mittlerweile kenne ich zig Menschen, denen das gleiche passiert ist) würde ich empfehlen ein Auto nur auf bewachte Parkplätze abzustellen oder echt alles mitzunehmen. Ansonsten ist die Stadt einfach wuuuuunderschön und nur zu empfehlen!
    Mir geht das mit dem Englisch übrigens genauso. Aber seit Amerika hat sich’s jetzt echt wieder eingependelt. Man muss echt nur reinkommen… Allerdings bin ich jetzt als nächstes in Schottland und die habe ich einfach noch nie verstanden! Da wird sich’s vielleicht doch wieder ganz schnell erledigen und ich wieder andere reden lassen. 😉

    Danke für dein liebes Lob! Da stören auch so ein paar mehr Kommentare nicht (übrigens kenne ich das, manchmal ist man dann doch schneller mit dem Abschicken als dem Lesen).

    • Ohja, ich fände es auch ziemlich gut wenn es mit der Deutschen Bahn mal annähernd so unkompliziert wäre 😀

      Mit älteren Abschnitten in Kyoto meinst du bestimmt Gion und so, oder? Da fand ich es auch echt hübsch.

      Das mit den bewachten Parkplätzen werde ich mir mal merken, danke für den Tipp. „wuuuuunderschön und nur zu empfehlen“ – jetzt freue ich mich noch viel mehr drauf :))

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