Reisen

Flugverspätung: Entschädigung eigenständig einfordern

Also erstmal: guckt euch diese wunderschöne Alliteration in der Überschrift an. Wow, oder?!

Als ich von unseren Vorbereitungen für die USA-Reise erzählt habe, meinte ich ja schon dass Eurowings bestimmt wieder irgendwas verkackt – wie immer. Nun ja, ratet mal was dann tatsächlich geschehen ist. Wer hätte das gedacht? (Ich.)
Anfang September sollte es also endlich in die USA gehen. Unser Flug ist mehr als drei Stunden verspätet gestartet und gelandet, weswegen ich Eurowings nun wegen einer Ausgleichsforderung kontaktiert habe.

Eigentlich keine große Sache. Oder doch? Immerhin habe ich zwei Monate gewartet bevor ich einen Finger gerührt habe: ich wusste nicht so genau wie ich diese Angelegenheit angehen soll. Man kann sich ja denken, dass Fluggesellschaften sich bei Entschädigungen querstellen und alles mögliche versuchen um nicht zahlen zu müssen. Und gehört hat man das auch schon oft.
Es gab zwei Möglichkeiten. Entweder wir kümmern uns selbst darum und sind mit unseren Nerven völlig am Ende weil wir uns mit Eurowings anlegen müssen. Oder wir beauftragen eines der vielen darauf spezialisierten Unternehmen, die einem den Flug abkaufen, das Geld auszahlen und sich dann selbst darum kümmern die Summe bei der Fluggesellschaft wieder einzufordern.
Auf der Website von Eurowings gibt es sogar ein eigenes Formular für Ausgleichsansprüche bei Flugverspätungen. Dort gibt man seine Flugdaten ein und kriegt ausgerechnet wieviel Entschädigung Eurowings zahlt. Klingt ganz einfach, kam für mich aber nicht in Frage – denn laut deren Rechner sollten wir nur die Hälfte von dem bekommen was uns laut EU-Fluggastrechteverordnung (Art. 7 (EG) No. 261/2004) zusteht.
Wir haben daraufhin in Betracht gezogen, doch ein Unternehmen zu beauftragen – an die muss man allerdings 20–30% Provision von der Entschädigung abdrücken. Ich habe dann abgewägt ob es mir diese Provision wert ist, keinen Ärger mehr damit zu haben. Klingt komisch, ist aber wirklich so gewesen: nachdem ich zwei Monate überlegt habe, bin ich heute morgen aufgewacht und habe beschlossen dass ich mich selbst darum kümmern möchte. Die 20–30% wären in diesem Fall nämlich 360 €, die ich egoistischerweise lieber für uns selbst haben möchte.
Meine zwei Monate Bedenkzeit sind ja nicht unbedingt eine lange Zeit, die Unentschlossenen unter uns können sich sogar noch länger Zeit lassen: man kann bis zu drei Jahre rückwirkend eine Entschädigung einfordern.

Vorhin habe ich das Schreiben an Eurowings zur Post gebracht und per Einschreiben versendet. Ich bin gerade ziemlich euphorisch und voller Tatendrang. Mal sehen wie lange das anhält. Denn gleichzeitig mache ich mich natürlich darauf gefasst, dass Eurowings sich querstellen wird.
Ich bin allerdings optimistisch es selbst zu versuchen, denn die Entschädigung ist mein Recht, das gesetzlich festgelegt ist. Außerdem besitze ich eine Rechtsschutzversicherung, die schon darauf wartet das erste Mal in Anspruch genommen zu werden. Und falls alles nichts nützt, kann ich immer noch ein Unternehmen damit beauftragen.

Dank der EU-Fluggastrechteverordnung ist klar geregelt wem wann wie viel Entschädigung bei einer Flugverspätung zusteht. Folgende Punkte müssen zutreffen: Der Flug muss in einem europäischen Land gestartet oder gelandet sein und die Verspätung muss durch einen Fehler seitens der Fluggesellschaft zustande gekommen sein, dazu zählen z. B. technische Probleme. Bei höherer Gewalt oder anderen außergewöhnlichen Umständen (z. B. Unwetter) ist die Fluggesellschaft fein raus, da es nicht ihr Verschulden ist.
Wie hoch die Entschädigung ist, hängt von Distanz und Zeit ab.
Ab zwei Stunden Verspätung hat man Anspruch auf kostenlose Verpflegung und Zugang zu Telekommunikation (E-Mail, Telefonat, Fax), wobei ich mich frage ob letzteres heutzutage überhaupt noch genutzt wird – immerhin stammt die EU-Fluggastrechteverordnung von 2004, damals war man ja wirklich noch darauf angewiesen weil es keine Smartphones mit Datenvolumen gab. Wir haben übrigens keine Verpflegung von Eurowings bekommen, weder während der Wartezeit am Gate noch an Bord.
Ab drei Stunden Verspätung steht einem eine Entschädigung zwischen 250 und 600 € zu, je nachdem wie lang die Strecke zwischen Start- und Zielflughafen ist:

  • 1500 km: 250 €
  • zwischen 1500 und 3500 km: 400 €
  • mehr als 3500 km: 600 €

Dabei ist es nicht wichtig wie teuer die Flüge waren: selbst wenn diese weniger als die zu erwartende Entschädigung gekostet haben, steht einem die volle Entschädigung zu.
Darüber hinaus sind in der EU-Fluggastrechteverordnung noch weitere Fälle wie z. B. Annullierung, Nichtbeförderung oder Unterkunft, weil der Flug erst am nächsten Tag geht, geregelt. Darauf gehe ich hier nicht näher ein, da es für mich in diesem Fall nicht relevant ist. Nachlesen kann man das aber hier.

Uns stehen laut EU-Fluggastrechteverordnung also 600 € Entschädigung p. P. für den verspäteten Flug von Düsseldorf nach New York zu, die ich nun heute in meinem Schreiben an Eurowings angefordert habe.
In dem Schreiben stehen die Personen, für die ich die Entschädigung geltend machen möchte, Flugnummer, Start- sowie Zielflughafen, Datum, Ausmaß und Grund der Verspätung, Flugstrecke, der uns zustehende Betrag, eine zweiwöchige Frist sowie unsere Kontoverbindung.
Einen Musterbrief gibt es hier.

Wenn die Frist verstrichen und keine Reaktion von Eurowings gekommen ist, werde ich mich an die söp (Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V.) wenden. Dort kann man online kostenlos einen Schlichtungsantrag stellen wenn Eurowings sich querstellt. Sobald die söp mit im Spiel ist, kommen Fluggesellschaften den Forderungen dann in der Regel doch ziemlich schnell nach.
An die söp kann man sich übrigens auch wenden wenn man unzufrieden mit der Antwort bzw. dem Lösungsvorschlag von allen anderen Verkehrsunternehmen (z. B. Bus, Bahn, Schiff) ist.

Theoretisch hat man es also ziemlich einfach durch entsprechende Gesetze und Stellen, von denen man Hilfe bekommt. Theoretisch ist das Einfordern einer Entschädigung kein Ding der Unmöglichkeit.
Aber: laut einer Studie wissen viel zu viele Menschen nicht, welche Rechte sie bei einer Flugverspätung haben. Oder dass sie überhaupt Rechte haben. Und die wenigen, die Bescheid wissen, trauen sich dann nicht, diese Rechte einzufordern weil sie es als aussichtslos empfinden.
Dabei ist das doch ein nettes Taschengeld, das da auf einen wartet. 😉

Und jetzt heißt es erstmal abwarten – ich bin gespannt wie es weitergeht.

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